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Wasser ist Leben! Der Aubrunnen bleibt.

Streitfrage Aubrunnen
Expert*innen informieren und diskutieren Ihre Fragen

Die BI Aubrunnen lud ein zur Informationsveranstaltung am
Freitag, 19. Mai 2017, 20 Uhr
im Gemeindehaus Lamm, Marktplatz
mit
df208b25d8Prof. Dr.-Ing. Olaf A. Cirpka, Professor für Hydrogeologie, Universität Tübingen

hartmannDr. Sybille Hartmann, Biochemikerin und ehemalige Umweltbeauftragte der Stadt Tübingen

DaniellDr.-Ing. James Daniell, Bauingenieurwesen, Geo-physikalisches Institut, Karlsruhe Institute of Technology

uta-eserDr. Uta Eser, Umweltethikerin und Biologin, Büro für Umweltethik Tübingen

IMG_1799Peter Fink, Versicherungsmathematiker


2015-07-15_loewen-laden_kunden_andreas-feldtkeller_foto_martin-schreier_4188_02Andreas Feldtkeller, Stadtplaner, Initiator des Tübinger französischen Viertels

Viele unserer Unterstützer*innen hatten uns immer wieder nach Hintergründen und Informationen gefragt.
Viele wollten wissen, was es genau mit einem Wasserschutzgebiet auf sich hat, wie die Stadtverwaltung daraus ein Gewerbegebiet machen kann, ob die Bodenseewasserleitungen nicht durch Erdbeben gefährdet sind, ob das Wasser aus dem Aubrunnen so gut wie das vom Bodensee ist, warum es nicht genug Gewerbeflächen woanders in Tübingen geben soll, warum Tübingen überhaupt immer mehr wachsen muss und ob Trinkwasser nicht grundsätzlich irgendwie “heilig” ist.

Drei der Vorträge gibt es hier als pdf:
Von Prof. Cirpka
Von Peter Fink und James Daniell
Von Dr. Uta Eser: Folien und Kommentar

 

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Bericht über die Informationsveranstaltung

Am Freitag, 19.05., fand mit großem Erfolg unser Info-Abend im Gemeindehaus Lamm statt. Wir möchten uns an dieser Stelle aufs Herzlichste bei den eingeladenen Expert*innen bedanken, die unserer Einladung gefolgt sind und in spannenden Impulsvorträgen zu verschiedenen wichtigen Aspekten des Themas referiert haben. Während auf dem Marktplatz die Nacht der Nachhaltigkeit stattfand, besuchten viele Bürger*innen unsere Veranstaltung, und stellten mit regem Interesse Fragen über Fragen. Dieses Engagement hat uns sehr gefreut. Wir bedanken uns darüber hinaus sehr herzlich bei der Stiftskirchengemeinde, die uns den schönen Saal im Gemeindehaus Lamm zu freundlichen Konditionen zur Verfügung gestellt hat.
Es ist unmöglich, all die spannenden Infos hier nochmals auszuführen, aber eine knappe Zusammenfassung ist vielleicht möglich:
Prof. Dr.-Ing. Olaf A. Cirpka, Professor für Hydrogeologie an der Universität Tübingen, begann die Vortragsrunde mit einer Einführung in die hydrogeologischen Gegebenheiten rund um Tübingen. Seine Einschätzung des Aubrunnens war aus wasserschutzrechtlicher Sicht eher ernüchternd, musste er doch feststellen, dass das Schutzgebiet nach heutigen Standards eigentlich doppelt so groß sein müsste, um seinen Sinn wirklich zu erfüllen. Auch die direkte Nähe des Autoverwerters und insbesondere der Aral-Tankstelle sah er kritisch. Hieraus ergaben sich für ihn zwei mögliche, sinnvolle Wege, wie mit dem WSG Au in Zukunft umzugehen sei:
1. eine Vergrößerung der Schutzzone neckaraufwärts etwa bis zur Steinlach, bei gleichzeitigen Bemühungen, jedenfalls die Tankstelle, aber auch den Autoverwerter u.a. Betriebe, die mit Gefahrenstoffen hantieren, längerfristig umzusiedeln;
2. eine Herabstufung des Aubrunnens zum Notbrunnen, wobei sein Schutzgebiet jedoch der Zone III des Schutzgebiets Unterer Neckar zugeschlagen werden sollte, welches ebenfalls zu klein ist, und welches momentan vom Wasserschutz des Aubrunnens mit profitiert. Einen Erhalt des Wäldchens würde er dabei ebenfalls befürworten, wenn auch nicht aus zwingend hydrogeologischen Gründen.
Die beiden Erdbebenexperten Peter Fink, Versicherungsmathematiker, und Dr.-Ing. James Daniell vom Geo-physikalischen Institut Karlsruhe sorgten mit ihrem gemeinsamen Vortrag öfter für betroffenes Schweigen. Ihre Karten und Folien machten nur zu deutlich, dass Tübingen und die von Süden her kommende Bodenseewasserleitung mitten im gefährlichsten Erdbebengebiet Westeuropas liegt! Eindrucksvoll konnte James Daniell aus seiner internationalen Arbeit schildern, welche multiplen Schäden ein Erdbeben mit einem Mal anrichten kann, und welch große Herausforderung diese Katastrophe für eine Regierung dann darstellt. Wenn Gebäude einstürzen und Menschen verschüttet werden, ist das entsetzlich; wenn darüber hinaus Infrastruktur zerstört wird und über längere Zeiträume Wasser und Strom ausbleiben und Straßen unpassierbar sind, ist ein ausgearbeiteter Notfallplan gefragt. Mit Betroffenheit mussten wir hören, dass eine solche Netzwerkanalyse mit Risikoassessment für unsere Region offenbar noch nicht erstellt wurde. Eine Redundanz der Wasserversorgung ist da unerlässlich! Wir haben uns vorgenommen, diesem wichtigen Thema weiter auf Landes- und Bundesebene nachzugehen!
Dr. Sybille Hartmann, Biochemikerin und ehemalige Umweltbeauftragte der Stadt Tübingen, präsentierte nochmals unsere Kernfragen zum Thema Flächennutzung in Tübingen. Geht doch aus den städtischen Vorlagen glasklar hervor, dass schon genügend Flächen ausgewiesen sind, um das zu erwartende wirtschaftliche Wachstum der kommenden Jahrzehnte zu befriedigen.
Andreas Feldtkeller, Stadtplaner und Initiator des Tübinger französischen Viertels, gab in seinem Vortrag wertvolle Denkanstöße, wie wir die Rolle der Stadt Tübingen im Verhältnis zur Region sehen wollen.
Den Schluss machte Dr. Uta Eser, Umweltethikerin und Biologin vom Büro für Umweltethik Tübingen, mit einem engagierten Vortrag zu Grundfragen der debattierten Werte. Häufiger spontaner Applaus zeigte, wie sie vielen Zuhörern aus der Seele sprach! So führte sie neben vielen anderen Gedanken aus, dass zu allererst gefragt werden müsse, welches Problem man eigentlich mit einer Lösung lösen möchte? Wer dieses Problem eigentlich habe? Und wer, wenn man diese Lösung realisiert, dann eigentlich hinterher ein neues Problem habe? Erst wenn diese Fragen beantwortet seien, sagte sie, könne man übergeordnete Fragen diskutieren wie z.B. Welche Wertigkeit hat die Resource Wasser - für uns, für andere Lebewesen? Wer wollen wir sein? Wollen wir so sein? Wollen wir auf diese Weise mit unserer Umwelt umgehen?
Ein Abend voller Ideen und Infos, Fragen, Antworten und neuen Fragen!
Wir bedanken uns zu guterletzt bei unserem Mitglied Evelyn Ellwart, die im Vorfeld mit großem Einsatz unser Infoheft fertiggestellt hat, so dass wir es den Teilnehmern mitgeben konnte. Ihre gelungene Moderation gab dem vielseitigen Abend eine klare und freundliche Struktur.
Drei der Vorträge gibt es hier als pdf:
Von Prof. Cirpka
Von Peter Fink und James Daniell
Von Dr. Uta Eser: Folien und Kommentar

Kommentar von Andrea Franck, einem Mitglied aus dem Organisationsteam der BI:
“Klar erschien der Beitrag von Prof. Cirpka auf den ersten Blick wie ein Eigentor von uns (zumal er auch als erster sprach und dann auch noch die meisten Fragen erhielt), aber auf den zweiten Blick gibt es eben auch folgendes:
- er sagte ja AUCH, dass das Wasserschutzgebiet Zone I ihm wegen des Wäldchens erhaltenswert scheint. Nun, wir wollen eben BEIDES erhalten, das Wäldchen u. das Wasserschutzgebiet.
- Wichtig fand ich seinen Hinweis, dass es zwar THEORETISCH aus heutiger Sicht genug Wasser gebe, auch durch die Schönbuch/Ammertalversorgung, es dafür aber KEINE Leitungen gibt, um es auch einzuspeisen. Im Ggs. dazu kann man den Aubrunnen eben sofort anschliessen/einspeisen => unschätzbarer Vorteil.
Damit kann man ja ein Argument von Palmer entkräften, weil er immer sagt, es gebe doch mehr als genug Wasser. Aha - und wie kommt das Wasser im Notfall zu den Leuten?
- Durch den Beitrag von James Daniell wurde ja auch sehr deutlich, dass im Katastrophenfall (Naturkatastrophe, Anschlag) das Wasser EINES von vielen Problemen (zerstörte Infrastruktur etc.) ist. Umso froher kann man sein, einen eigenen Reserve-Brunnen zur Verfügung zu haben, auf den man dann zurückgreifen kann. Daniell wies ja mehr als deutlich auf notwendige Redundanz hin, alles andere sei kurzsichtig.
- Weiter habe ich durch Cirpka neu erfahren, dass es bei allen Reserve-Brunnen schwierig ist, vorherzusagen wie die Wasserqualität ist, wenn länger gepumpt wird. Umso wichtiger also mehrere Standbeine = Redundanz, denn auch bei den anderen Reservebrunnen können sich Probleme zeigen.
-  Cirpka legt eben Maximalanspruch an Wasserqualität. Ist ja auch gut, aber das Wasser des Aubrunnens entspricht TROTZDEM den gesetzlichen Anforderungen.
- aus der Tatsache, dass mit dem Wasserschutzgebiet Aubrunnen nicht sorgsam oder gar fahrlässig umgegangen wurde, ist das Fazit nicht (finde ich), es ganz aufzugeben, sondern im Gegenteil, es künftig besser zu schützen. “

Andrea Franck

Kommentar von Harry Waßmann, einem Mitglied  der BI:
Tübingen hat massig Arbeitsplätze und Einpendler ohne Ende.
Es ist eine Frage der Steuergerechtigkeit.
Da gilt es als Universitätsstadt mit anderen Universitätsstädten politisch etwas zu bewirken.
Auch deshalb: Keine weiteren Gewerbeflächen!

Harry Waßmann