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Wasser ist Leben! Der Aubrunnen bleibt.

15.4.17: Der zweite Offene Brief der BI an den Tübinger OB

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Die BI Aubrunnen hat dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer am 6. April 2017 einen Offenen Brief mit 4 Fragen geschrieben. Er hat diesen am 7. April beantwortet. Auf diese Antwort von Oberbürgermeister Boris Palmer hat die BI Aubrunnen hat am 15. April 2017 diesen zweiten Offenen Brief an den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer geschrieben. Die BI hat ihre Briefe auch an alle Gemeinderäte und die Presse geschickt.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Palmer,
vielen Dank für die schnelle Beantwortung unserer Fragen, aber leider entspricht der Inhalt Ihrer Antworten nicht Ihrem und unserem Wunsch nach einem sachlichen Diskurs und leider schon gar nicht einer umfassenden Information der Bürgerschaft. Dies werden wir nachfolgend anhand der vier Themen darlegen:

  1. Die von Ihnen zugesandten Verlaufskurven der Brunnenbeprobungen enden in den Jahren 2008 bzw. 2009 und sagen daher nichts über die aktuelle Qualität des geförderten Wassers aus. Dazu hat sich herausgestellt, dass die Verlaufskurven wegen eines Übertragungsfehlers in der Grafik fehlerhaft sind. Die Stadtwerke haben bereits zugesagt, die Grafiken entsprechend zu korrigieren.

    Was die Nitratbelastung des gewonnenen Trinkwassers angeht, so ist allein der zu beachtende gesetzliche Grenzwert von 50 mg/l ausschlaggebend. Der sog. Empfehlungswert für Säuglingsnahrung ist aus der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) und bezieht sich nicht auf Trinkwasser! Er hat keinerlei wissenschaftlichen Hintergrund und spielt schon seit Jahren in der Trinkwasserdiskussion keine Rolle. Der von Ihnen angeführte Vorsorgewert der WHO von 25 mg/l ist nicht korrekt. Er beträgt in der Tat 50 mg/l und wurde in der Vergangenheit von keinem der Tübinger Brunnen überschritten. Über 25 mg/l lagen allerdings auch der Gehrnfeldbrunnen und der Vertikalfilterbrunnen mehrfach. Daher können wir diese Argumentation nicht wirklich ernst nehmen.

    Den zugesandten Kurven entnehmen wir, dass die Belastungen in allen Tübinger Brunnen in den letzten Jahren deutlich zurückgehen, auch – soweit sichtbar – im Au-Brunnen. Wie sieht denn nun die Nitrat- und CKW-Belastung in 2015 oder 2016 aus? Im „Baustein Gewerbe“ zur Vorlage 15/2017 vom 14. 01. 2016 zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans schreibt die Verwaltung: „Der Brunnen Au, dem der Schutz des Wasserschutzgebietes gilt, wird für den Fall vorgehalten, dass die Bodenseewasserversorgung eingeschränkt wird oder ausfällt. Das dort geförderte Wasser ist von hoher Qualität und kann weitgehend unaufbereitet ins Netz eingespeist werden.“  Dies widerspricht auch Ihrer Aussage im letzten Absatz Ihrer Antwort zu Frage 3.
     
  2. Leider ist Ihre Argumentation mit dem Zitat der Landesanstalt für Umweltschutz nicht aktuell. Auszug aus dem Monitorungbericht der KLIWA 2016:

    monitoringbericht

    Da der Klimawandel absehbar voranschreitet, wird auch die in dem Schaubild sichtbare Entwicklung weitergehen.
  3. Leider ist die zugesandte Zusammenfassung der Untersuchungen des Büros Menz mit den Farbzuordnungen grün, gelb und rot so pauschal, dass die Aussagen für uns nicht nachvollziehbar sind. Wir bitten daher, dieses Gutachten vollständig öffentlich zugänglich zu machen. Oder ist die Anlage 8 zur Vorlage 110/2017 bereits alles, was die Gutachter vorgelegt haben?

    Auch stellen wir grundsätzlich in Frage, ob nur Flächen, auf denen bereits bedrohte oder seltene Arten zu Hause sind, des Schutzes bedürfen. Viele Allerweltsarten nehmen rapide in ihren Beständen ab, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass ihre Lebensräume immer weiter eingeschränkt werden. Müssen wir uns nicht schon viel früher mit Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen für heute scheinbar noch unbedrohte Arten beschäftigen, bevor die Verluste für den Arterhalt bedrohlich werden?
     
  4. Auf unsere Frage: „Auf welche Daten und Fakten von bestehen und zu gründenden Unternehmen stützen Sie sich, um weiteren Flächenverbrauch zu begründen?“ haben Sie uns leider nicht geantwortet.

    Inzwischen haben wir versucht, uns selbst kundig zu machen. Im „Baustein Gewerbe“ ( Anlage 4 zur Vorlage 15/2016) schreibt Ihre Verwaltung, dass nach Fortschreibung der bisherigen Handhabung bei der Gewerbeflächenentwicklung ein Bedarf nach 20-30 ha neuem Gewerbebauland bis 2030 besteht.

    Unsere Frage dazu: Halten Sie es für richtig, beim heutigen Kenntnisstand über die weltweite Entwicklung, die jetzige Handhabung unverändert fortzuschreiben? Und wie soll es dann nach 2030 weitergehen?

    Im Baustein Gewerbe sind 6,5 ha für gewerbliche Nutzung in bestehenden Gewerbegebieten aufgelistet, dazu kommen 35,8 ha in neu geplanten Gebieten der FNP-Fortschreibung. Dazu kommen noch 9 ha im TTR auf der oberen Viehweide und 12,3 ha  für ein mögliches weiteres Bahnbetriebswerk. Das gibt in der Summe – ohne Au! - 63,6 ha.

    Unsere Frage dazu: Wie begründen Sie ein öffentliches Interesse an einer Neuausweisung eines Gewerbegebiets Au bei einem erhobenen Gewerbeflächenpotenzial, das zwei- bis dreimal so groß ist wie der bei linearer Fortschreibung der Entwicklung ermittelte Bedarf?

    Widerstände durch überhöhte Preisvorstellungen von privaten Grundstücksbesitzenden können aus unserer Sicht bei öffentlichem Interesse nicht als Argument angeführt werden.

    Das Thema „Ökologischer Fußabdruck“ können wir gerne bei anderer Gelegenheit mit Ihnen diskutieren, aber zum Thema „Au“ hätten wir gerne Antworten auf unsere Fragen.

Mit freundlichen Grüßen
BI Au-Brunnen


unterzeichnet von den Mitgliedern des Organisationsteams BI Au-Brunnen: Eva Arndt, Armin Bihlmaier, Evelyn Ellwart, Christina von Elm, Martin Fleisch, Andrea Franck, Bruno Gebhart, Wolfgang Gruber, Sybille Hartmann, Manuel Haus, Beate Jung, Peter Krebs, Benno Latz, Elisabeth Odinius, Johann Rapp, Anton Schühle, Wolfgang Wettlaufer, Ute Woeckner, Dieter Zeller

Diesen Brief kann man hier als pdf herunterladen.
Hier finden Sie den ersten Offenen Brief der BI Aubrunnen an OB Palmer.
Hier finden Sie die Antwort von OB Palmer an die BI auf den ersten Offenen Brief.