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Wasser ist Leben! Der Aubrunnen bleibt.

4.5.17: Der dritte Offene Brief der BI an den Tübinger OB

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Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Palmer,

mit Ihrem offenen Brief vom 27.04.2017, den auch das Tagblatt veröffentlicht hat, versuchen Sie uns Ihr Handeln verständlicher zu machen. Sie haben den Eindruck, dass die Mitglieder der Bürgerinitiative Ihr Handeln nicht verstehen und dass dies der Quell von Spannungen ist.

Im Nachfolgenden möchten wir versuchen, Ihnen unser Handeln verständlicher zu machen.

Der Quell von Spannungen zwischen BI und Ihnen liegt nur zu einem sehr geringen Anteil im Nichtverstehen, sondern er hat seine Ursache zum allergrößten Teil in der Art und Weise, wie Sie  sich mit uns als engagierten Bürgerinnen und Bürgern auseinandersetzen. Dies beginnt unter anderem damit, dass Sie der BI eine kategorische Position unterstellen, die auf einem psychologischen Bedarf nach dem Au-Brunnen beruht. Damit unterstellen Sie der BI, dass diese keine sachlichen Argumente für den Erhalt vorbringen kann. Wenn die BI „der Auffassung ist, Tübingen benötige keine größeren Gewerbeflächen mehr“, dann kommt mit der Verwendung des Begriffs „Auffassung“ ebenfalls zum Ausdruck, dass keine sachlichen Gründe vorgebracht werden können. Zu Ihrer Position teilen Sie uns allerdings nur mit, dass Sie nach „bestem Wissen und Gewissen“ prüfen und eine Entscheidung „für oder gegen eine Fläche transparent und in einer nachvollziehbaren Abwägung begründen“.

Leider sind bis jetzt Ihre Argumente für die Aufgabe des Wasserschutzgebietes gegenüber der BI weder transparent noch nachvollziehbar begründet.

In der ersten Runde der Auseinandersetzungen versuchen Sie die Trinkwasserqualität des Au-Brunnens schlecht zu reden. Wenn das widerlegt wird, ziehen Sie sich auf die Linie zurück, der Au-Brunnen ist schlechter als der Bodensee – dieses Argument gilt jedoch für alle Brunnen der Eigenwasserversorgung. Dann werfen Sie Reservebrunnen und Notbrunnen in den gleichen Qualitätstopf, obwohl nur Trinkwasser aus einer Brunnenfassung mit Wasserschutzgebiet ins Trinkwassernetz eingespeist werden darf. Den Unterschied zur Einspeisung aus einem Notbrunnen verschleiern Sie geschickt mit der Formulierung „nahezu uneingeschränkt“. Und Ihr Argument, dass die Bodenseewasserversorgung seit 60 Jahren nicht ausgefallen ist, negiert alle Auswirkungen des Klimawandels auf den Bodensee.

Mit dem Weglassen von Erkenntnissen wird eine Argumentation jedoch nicht richtig, sondern bestenfalls intransparent.

Im Unterschied zu Ihrer Einschätzung kommt die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee in ihrer  Risikobewertung klimatischer Einflüsse auf die Trinkwasserversorgung aus dem Bodensee zum Schluss, „dass alle relevanten technischen Anlagen zur Gewinnung und Aufbereitung möglichst redundant auszulegen sind. Zusätzliche Sicherheit bietet ein zweites Standbein, also Lösungen mit mehreren Bezugsquellen.“

Dies sieht die BI genauso und dies ist eines ihrer sachlichen Argumente für den Erhalt des Wasserschutzgebietes Au.

Und nun zum Nichtverstehen!

Leider haben Sie der BI trotz Nachfragen in zwei Briefen nicht sachlich begründet darlegen können, weshalb das zusätzliche Gewerbeflächenangebot, das die vorgeschlagene Fortschreibung des FNP bereithält, nicht ausreicht, um Betriebe in Tübingen zu halten. Welche Fakten gibt es für weitere unabdingbare 10 Hektar? Wir haben leider auch keine Aussagen zu den zusätzlich verfügbaren Flächenpotenzialen, wenn die wirklich vorbildliche Tübinger Gewerbeflächennutzungsstrategie auch auf die bestehenden, noch nicht so vorbildlichen Gewerbeflächen angewendet wird.

Diese Daten und Fakten sind aus unserer Sicht aber notwendig, um Ihren für uns bisher intransparenten Abwägungsprozess nachvollziehen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
BI Au-Brunnen


unterzeichnet von den Mitgliedern des Organisationsteams BI Au-Brunnen: Eva Arndt, Armin Bihlmaier, Reinhard von Brunn, Evelyn Ellwart, Christina von Elm, Martin Fleisch, Andrea Franck, Bruno Gebhart, Wolfgang Gruber, Sybille Hartmann, Manuel Haus, Beate Jung, Peter Krebs, Benno Latz, Elisabeth Odinius, Johann Rapp, Anton Schühle, Wolfgang Wettlaufer, Ute Woeckner, Dieter Zeller

Diesen Brief kann man hier als pdf herunterladen.