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Wasser ist Leben! Der Aubrunnen bleibt.

Infos zur Wasserqualität des Aubrunnens: CKW

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CKW im Trinkwasserbericht der Stadtwerke

In seinem Antwortschreiben auf unseren Offenen Brief vertritt OB Boris Palmer die Meinung: "Der Au-Brunnen liefert mit Abstand die schlechteste Wasserqualität aller Tübinger Brunnen und ist mit dem Bodenseewasser im Hinblick auf seine chemische Zusammensetzung leider überhaupt nicht konkurrenzfähig." Um seine Meinung zu belegen, wurde dem Schreiben eine Seite aus dem Trinkwasserbericht der Stadtwerke 2008 beigefügt, auf der die Messwerte für Nitrat und Chlorierte Kohlenwasserstoffe in grafischer Form als Kurven dargestellt sind. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass bei der Erstellung der Grafik zum CKW-Gehalt in 2008 einige schwere Skalierfehler vorgefallen sein müssen, die z.T. bis heute mitgeschleppt werden. Besonders die Kurve des Aubrunnens wurde in 2008 durch fehlerhaftes Skalieren so verzerrt, dass sie viel zu hohe Werte und viel zu große Amplituden aufweist.
Im Folgenden wollen wir die fraglichen CKW-Grafiken im Einzelnen besprechen, um das Problem für alle nachvollziehbar und transparent zu machen.

1 - Hier zum Vergleich die beiden CKW-Kurven aus dem Trinkwasserbericht 2007 (oben) und 2008 (unten).

ckw_trinkwasserbericht_BI
 Herrn Palmers Aussage stützt sich auf die untere Grafik. Deutlich ist zu erkennen, dass die Kurve des Aubrunnen (schwarz) viel zu hoch ansetzt. Im Diagramm von 2008 müsste die Kurve dort beginnen, wo der blaue Pfeil mit Ausrufungszeichen ist. Die Kurve wurde beim Erstellen der Grafik völlig falsch skaliert. So setzt sie nicht nur zu hoch an, sondern weist auch eine viel größere Amplitude auf, i.e. die Abstände zwischen Wellental und Wellenberg sind viel zu groß. Auf diese Weise gerät die Kurve dann auch 2 x über den zulässigen Grenzwert - es sieht aus, als habe der Aubrunnen schlechtes Wasser.
Bei näherem Hinsehen muss man weiterhin feststellen, dass alle Kurven falsch skaliert wurden, nicht nur die des Aubrunnens. Auch die anderen Kurven liegen falsch, wurden jedoch nicht auf der Vertikalachse verzerrt, sondern auf der horizontalen Zeitachse. Zur Verdeutlichung haben wir zwei markante Stellen mit roten Pfeilen markiert. Im Diagramm von 2008 zeigt wiederum der Pfeil mit Ausrufungszeichen, wo diese Stellen eigentlich sein müssten.

2 - Im CKW-Diagramm aus dem Trinkwasserbericht 2014 wurde die zu hohe Kurve des Aubrunnen korrigiert.
ckw_trinkwasserbericht_2014_BI

Ab 2008 wurde sie jedoch nicht weiter eingetragen, wobei die Messungen aber wohl durchgeführt wurden. Wir arbeiten daran herauszufinden, weshalb die Eintragung abreisst.
Bei näherem Hinsehen muss man auch hier feststellen, dass der Skalierfehler, der in 2008 alle Kurven auf der Zeitachse verschoben darstellte, immer noch unkorrigiert ist.

3 - Auch im aktuellsten CKW-Diagramm aus dem Trinkwasserbericht 2015 ist dieser Skalierfehler noch enthalten, wurde also knapp 7 Jahre lang mitgeschleppt.

ckw_trinkwasserbericht_2015_BI

Um die Verschiebung zu verdeutlichen, haben wir hier die verlässlichen Kurven aus dem Bericht 2007 korrekt skaliert und über den entsprechenden Zeitraum geblendet. Deutlich sieht man die allmähliche Verschiebung, die durch das unfachmännische Skalieren entstanden ist. Im Bericht 2015 wurde der Aubrunnen überhaupt nicht mehr eingetragen - hat man ihn denn schon mental abgehakt?

4 - Wir haben ein korrektes CKW-Diagramm erstellt, das keine Skalierfehler und Verzerrungen mehr aufweist. Wie oben ausgeführt, wurde der in 2008 unterlaufene grafische Fehler ab da mitgeschleift, die absoluten Werte ab 2009 solllten jedoch stimmen. Fraglich bleibt (bei unserem derzeitigem Wissensstand) der Verlauf der Kurven im Jahr 2007 (rot markiert).
ckw_trinkwasser_BI

Uns ist wichtig zu zeigen, dass die CKW-Kurve des Aubrunnen parallel verläuft zum räumlich und technisch verwandten Vertikalfilterbrunnen im Unteren Neckartal. Es handelt sich bei der CKW-Blastung um eine Altlast von vor 1980, als mit dem gefährlichen, schwer abbaubaren Stoff in der Industrie allzu salopp umgegangen wurde. Seit der Sanierung der Brunnen in den 80ern/frühen 90ern geht es mit dem CKW im Großen und Ganzen bergab - eine klassische, abschwingende Genesungskurve! Wir arbeiten daran, die CKW-Werte des Aubrunnens seit 2008 einsehen zu dürfen, denn wir wollen die Kurve weiter zeichnen. Einen krassen Anstieg der CKW im Aubrunnen befürchten wir jedoch nicht, da inzwischen mit dem Stoff sehr viel strenger umgegangen wird.

Conclusio - Angesichts der schweren Abbaubarkeit von CKW (richtiger: LHKW) freuen wir uns über die eindrucksvolle Genesungskurve des Aubrunnen und Vertikalfilterbrunnen, sowie über die äußerst geringen CKW-Werte aller Trinkwasserbrunnen seit 2012. Von einer schlechten Wasserqualität des Aubrunnen kann, hinsichtlich CKW, absolut keine Rede sein. Auch im aktuellen Gutachten der Firma KuP wurde lediglich in der 2. Woche des zweiwöchigen Pumpversuchs eine leichte Altlast-Fahne angezogen.

Wir möchten Herrn Palmer dringend bitten, die fehlerhafte Grafik von 2008 nicht weiter zu verwenden, und für seine negative Meinung zur Wasserqualität des Aubrunnen aktuelle Messwerte vorzulegen.

Zu den Nitratwerten siehe die Seite zu den Nitraten - immerhin stimmen hier jedoch die vorgelegten Messkurven.


 facebook_logos_PNG19750  https://www.facebook.com/biaubrunnen Dieser Beitrag erschien auf unserer facebook-Seite am 10.4.2017
Links:
Offener Brief der BI an OB Palmer
Antwort OB Palmer an BI
2. Offener Brief der BI an OB Palmer

 

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Kohlenwasserstoffe CKW oder LHKW

Hier haben wir den Link zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplans eingestellt, damit Ihr euch selbst informieren könnt. Anlage 7 ist eine Kurzfassung des Gutachtens der Firma Kobus und Partner GmbH, in dem zum einen die Leistungsfähigkeit und Qualität des Aubrunnens untersucht wurde, zum anderen mögliche Auswirkungen einer teilweisen Versiegelung des Aubrunnen-Areals durch Überbauung. Wir möchten euch die Ergebnisse nach und nach etwas erklären.

Zunächst zur Qualität des Wassers. Es wurde ein Pumpversuch unternommen und dabei festgestellt, dass in dem erpumpten Wasser nach ca. 2 Wochen ein sogenannter "leichtflüchtiger halogenierter Kohlenwasserstoff" namens Tetrachlorethen (Per) festgestellt wurde. Der Wert blieb jedoch weit unterhalb des zulässigen Grenzwerts.

Was ist das für ein Stoff? Die leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffe LHKW sind etwas bekannter unter dem Namen chlorierte Kohlenwasserstoffe CKW (was nicht ganz richtig ist). Sie finden wegen der guten Fettlöslichkeit, der Unbrennbarkeit und wegen der geringen Toxizität ein breites Anwendungsfeld sowohl im industriellen als auch im kleingewerblichen Bereich, insbesondere zur Metallentfettung und zur Textilreinigung. Ende der 70er Anfang der 80er Jahre wurden zunehmend Umweltprobleme wegen der weit verbreiteten Anwendung von Tetrachlorethen und anderen LHKW bekannt. Das liegt an der sehr geringen Abbaubarkeit dieser Stoffe, wodurch sich der Stoff in Boden und Wasser allmählich anreichert. Eine solche Altlast bleibt wegen der Nichtabbaubarkeit über Jahre und Jahrzehnte bestehen, der Schadstoff wird sukzessive mit dem Sickerwasser ins Grundwasser verfrachtet, wo sich sehr schmale und mitunter kilometerlange Kontaminationsfahnen ausbilden können.

Im angehängten Fachartikel wird für die CKW eine maximale Länge dieser Fahne von 8,3 km erwähnt! Eine Trinkwassernutzung des Grundwasserkörpers wird dadurch ohne aufwendige Wasseraufbereitung nur schwer möglich. Erst Anfang der 90er Jahre entwickelte sich ein Bewusstsein für die hohe Umweltgefährlichkeit von LHKW.

In der Kurzfassung des Gutachtens zum Aubrunnen wird nun erwähnt, dass die Pumpe innert 2 Wochen eine solche Kontaminationsfahne angezogen hat. Die Verunreinigung blieb jedoch im grünen Bereich. Ob die Verunreinigung bei einer länger dauernden Arbeit der Pumpe stärker würde, müsste vor Inbetriebnahme des Aubrunnens auch an umliegenden Grundwassermessstellen getestet werden.

Was bedeutet dieses Ergebnis nun für den Aubrunnen? Es ist vor allem überhaupt nicht überraschend, dass eine schwache Fahne des leichtflüchtigen, geringviskosen Stoffs nachgewiesen wurde. Der Aubrunnen ist mit diesem Problem nicht allein, sondern teilt es mit nahezu jedem Grundwasserkörper der Industrienationen. Da der Stoff nur äußerst schwer abbaubar ist, ist er natürlich auch noch nach Jahrzehnten im Boden, im Sickerwasser und damit auch im Grundwasser nachweisbar. Inwiefern mikrobieller Abbau hier helfen und evtl. gezielt eingesetzt werden kann, ist immer noch Gegenstand der Forschung.

Wir freuen uns daher angesichts der geringen Abbaubarkeit, dass die nun im Aubrunnen gemessenen Werte weit unter dem zulässigen Grenzwert geblieben sind! Dies lässt hoffen, dass die wohl Ende der 80er Jahre gemessene Kontamination - ebenfalls kein Einzelfall - gar nicht so krass war oder nun nach fast 30 Jahren etwas besser geworden ist und der Grundwasserkörper, aus dem der Aubrunnen schöpft, sich allmählich erholt. Um dies besser zu verstehen, benötigen wir jedoch die Messwerte aus den 80ern und den zurückliegenden Kontrollmessungen.

 facebook_logos_PNG19750  https://www.facebook.com/biaubrunnen Dieser Beitrag erschien auf unserer facebook-Seite am 27.3.2017
Links:
http://www.dscweb.de/Publikationen/Grundw-CKW/gw-ckw.htm
http://www.tuebingen.de/gemeinderat/vo0050.php?__kvonr=7462