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Wasser ist Leben! Der Aubrunnen bleibt.

Die Geschichte des Aubrunnens

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Die Suche nach der Au

Ein Auszug aus dem wunderbaren Buch “Trinkwasser für Tübingen. 125 Jahre Tübinger Wasserversorgung” der Stadtwerke Tübingen, 2004 geschrieben von unserem BI-Mitglied Dr.  Johanna Petersmann

1893 hatte sich die Ergiebigkeit der Wasser führenden Schichten in Tübingen verringert. Die Ursachenforschung half nicht weiter: Hatte der vermehrte Kiesabbau für Bauzwecke die Flusssohle gesenkt oder war man überhaupt im Steinlachgebiet mehr als im Neckargrund den jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen? Die Stadtverwaltung holte sich wieder Rat beim Staatstechniker für das öffentliche Wasserversorgungswesen - Hermann Ehmann. Er empfahl, einen weiteren Sammelschacht mit Saugleitung in der Nähe des Werks anzulegen und eine zweite Dampfpumpenmaschine anzuschaffen. Die Ausführung 1893/94 verursachte Kosten in Höhe von rund 47.000 Mark.

Im August, Oktober und vor allem Dezember 1899 wurde die Lage ernst: Die Wasserzufuhr reichte vor allem für höher gelegene Gebiete zeitweise nicht mehr aus, und nur der einsetzende Regen führte aus der Wasserkalamität. Ehmann wurde wieder gerufen und der Tübinger Geologieprofessor als Sachverständiger dazugebeten. (...) Nach vergeblichen Schachtgrabungen in den Jahren 1901 bis 1903 in der Umgebung des Werks im Steinlachbereich gab man die Suche in diesem Territorium auf. Man suchte im Neckartal Richtung Rottenburg, bei Gönningen, wo es Schwierigkeiten mit den dortigen Wasserwerksbesitzern gab, und in Reusten im Ammertal, wo das Wasser zu hart und gipshaltig war. Schließlich konzentrierte man sich 1904/05 auf Schachtgrabungen in einem Gebiet zwischen dem Burgholz und der Eisenbahnlinie, wo man nach der Erschließung von 40 Brunnen und fünf Schächten schließlich im Gewann Au fündig wurde an einer Stelle, “die in ihrer Wasserergiebigkeit allen Erwartungen sowohl nach der quantitativen als auch der qualitativen Seite vollauf entspricht.” Fünf Gutachten bestätigten die Wassergüte des neuen Quellgebiets.

Während der Baumonate versuchte man, dem ständig drohenden Wassermangel im alten werksbrunnen zum beispiel damit zuvorzukommen, dass der Derendinger Mühlkanal nächtlich durchs Steinlachbett geleitet wurde, wordurch der Grundwasserträger gesättigt werden sollte. An der neuen Entnahmestelle in der Au wurde ein über acht Meter tiefer Schacht gegraben und ein Maschinenhaus gebaut, in dem man auf Betreiben des Leiters des Elektrizitätswerks erstmalig eine elektrisch angetriebene Hochdruckzentrifugalpumpe installierte. Rings um die Anlage pachtete die Stadt ein zehn Morgen großes Ackergelände von der Stiftungspflege als Schutzareal und forstete es auf. Heute liegt die Station mitten im Industriegebiet in einem idyllischen Wäldchen. Damals befand sie sich noch allein auf weiter Flur - Schützenhaus und Essigfabrik Schweickhardt waren die einzigen Nachbarn.

Nach so langer und vergeblicher Suche waren die Verantwortlichen in der Stadt erleichtert und dankbar über diese neu gefundene gute Quelle. Laut Haußer war damit eine Existenzfrage gelöst, “die wie ein Bleigewicht die Schwingen unseres Gemeinwesens und die Entschlußkraft seiner Vertretung lähmen mußte. “ Den etwa 40 Liter pro Sekunde abgebenden Brunnen schloss man über eine Druckleitung von 250 mm Weite im Bereich der alten Gasfabrik in der vorderen Reutlingerstraße an das bestehende Rohrnetz an.

Der Antriebstrom für die Au-Pumpe wurde per Kabel vom 1902 in Betrieb genommenen Elektrizitätswerk in der Hinteren Grabenstraße bezogen. Da die Entfernung von über zwei Kilometern nur mit Drehstrom zu meistern war, musste im Elektrizitätswerk ein Gleichstrom-/Drehstromtransformator aufgestellt werden. Die tägliche Bedienung und Wartung der neuen Pumpstation geschah vom Elektrizitätswerk aus, ohne Einsatz von Personal vor Ort. Eine Telefonleitung zwischen den drei Werken, dem Elektrizitätswerk, dem neuen Au-Werk und dem alten Wasserwerk links der Hechingerstraße, das als Reserve und Notbehelf bestehen blieb, machte dies möglich.

Die Kosten für das neue Werk in der Au und die aufwändige Wassersuche betrugen rund 120.000 Mark; dies war eine Summe, die durch die gesteigerte Wasserabnahme nun durchaus zu finanzieren war. ...

Quelle:
Trinkwasser für Tübingen. 125 Jahre Tübinger Wasserversorgung, hrsg. von Stadtwerke Tübingen 2004, ISBN 3-910090-59-1
Autorin dieses Beitrags ist die Historikerin Dr. Johanna Petersmann.