aubrunnen_Postkarte

Wasser ist Leben! Der Aubrunnen bleibt.

Infos zur Wasserqualität des Aubrunnens: Nitrat

aubrunnen-logo-mini1

Nitrat Aubrunnen im Vergleich zu Baden-Württemberg

Wasser kennt keine Grenzen. Daher sollte man regionale oder sogar punktuelle Beurteilungen immer in größere topgraphische Zusammenhänge einordnen. Wir zeigen euch hier einige Karten zum Nitratgehalt des Grundwassers in Baden-Württemberg. Diese haben wir der Veröffentlichung der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW), "Grundwasser-Überwachungsprogramm, Ergebnisse der Beprobung 2015" entnommen. Stand der Karten ist Januar 2016.

Karte 1 zeigt die Nitrat-Messdaten in Baden-Württemberg.
nitratkarte

Man kann deutlich sehen, dass das Neckartal kein Nitrat-Problemgebiet ist, westlich von Tübingen im Gäu steigt jedoch die Belastung. In Ballungsräumen und Gebieten mit intensiver Landwirtschaft ist die Nitratbelastung generell höher.

Karte 2 zeigt die Einteilung der Wasserschutzgebiete unseres Landes in drei Nitratklassen.
nitratkarte2 

In Baden-Württemberg stufen die unteren Verwaltungsbehörden gemäß der im Februar 2001 novellierten Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO) die Wasserschutzgebiete in diese Nitratklassen ein:
- Normalgebiete
- Problemgebiete
- Sanierungsgebiete.

Die Ersteinstufung erfolgte im Jahr 2001. Seitdem wird jeweils zum 1. Januar eines Jahres die Einstufung der WSG durch die Unteren Wasserbehörden fortgeschrieben. Beurteilungskriterien sind das mittlere Nitratkonzentrationsniveau im jeweiligen Jahr und das Trendverhalten wie folgt:

Problemgebiet:
•Nitratkonzentration über 35 mg/L über die Dauer von 2 Jahren
•Nitratkonzentration über 25 mg/L und eine über 3 Jahre mittlere jährliche Zunahme um 0,5 mg/L,
Sanierungsgebiet:
•Nitratkonzentration über 50 mg/L über die Dauer von 2 Jahren
•Nitratkonzentration über 40 mg/L und eine über 3 Jahre mittlere jährliche Zunahme um 0,5 mg/L.

Auf Karte 3, einem stark vergrößerten Ausschnitt von Karte 2, kann man das WSG Tübingen Au deutlich erkennen.
nitratkarte3

Es ist grün, ein Normalgebiet nach SchALVO.

Wir sollten die Kirche im Dorf lassen, und den Brunnen in der Au.
.

 facebook_logos_PNG19750  https://www.facebook.com/biaubrunnen Dieser Beitrag erschien auf unserer facebook-Seite am 15.4.2017
Links:
http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/261998/grundwasserueberwachung_ergebnisse_2015.pdf?command=downloadContent&filename=grundwasserueberwachung_ergebnisse_2015.pdf

 

aubrunnen-logo-mini1

Der Grenzwert für Nitrat

In seinem Antwortschreiben auf unseren Offenen Brief hat uns OB Palmer eine Seite aus dem Trinkwasserbericht der SWT 2008 beigefügt, aus dem die „schlechte“ Wasserqualität des Aubrunnen hervorgehen sollte. Das Diagramm mit den CKW-Messungen haben wir zuvor schon ausführlich besprochen. In dem Diagramm zu den Nitrat-Messungen hat Herr Palmer handschriftlich 2 Grenzwerte markiert: WHO bei 25 mg/l und Säuglinge bei 10 mg/l. Über diese Eintragungen haben wir uns sehr gewundert.

nitrat_grenzwerte_BI

Der Grenzwert für Nitrat in der EU und in Deutschland liegt seit Mitte der 80er Jahre bei einem Wert von 50 mg/l, davor waren es 90 mg/l. Dieser Grenzwert ist im Diagramm ganz oben mit einer roten Linie markiert. Auch wenn die Messwerte des Aubrunnen relativ gesehen über denen der anderen Trinkwasserquellen der SWT liegen, bleiben sie jedoch stets unterhalb des gesetzlich zugelassenen Grenzwerts, von einem "schlechten" Wasser kann also auch bzgl des Nitrats keine Rede sein. Wir leugnen nicht, dass die Belastung unseres Grundwassers mit Nitrat aus der Landwirtschaft (Gülle u.a. Düngemittel) ein großes Problem darstellt, um dessen Lösung sich Land, Bund und EU gemeinsam bemühen müssen. Laut aktuellem Nitratbericht der Bundesregierung wiesen 2012-2014 bundesweit 28% der Messstellen des EU-Nitratmessnetzes Konzentrationen > 50 mg/l auf. Tübinger Brunnen gehörten jedoch nicht dazu.

Doch weiter zu den angezeichneten Grenzwerten. Der Grenzwert von 50 mg/l ist auch in der novellierten EU-Trinkwasserrichtlinie von 1998 (98/83/EG) konstant geblieben. Weggefallen ist in der Richtlinie der rechtlich unverbindliche Richtwert von 25 mg/l. Auch in der novellierten Bundes-Trinkwasserverordnung, die am 16.02.2001 vom Bundesrat verabschiedet wurde (TrinkwV 2001), ist der Grenzwert von 50 mg/l beibehalten.

Der in den angelsächsischen Ländern übliche Grenzwert von 10 mg/l (vgl. die Guidelines der WHO und der amerikanischen Umweltbehörde EPA) bezieht sich auf den reinen Stickstoffanteil im Nitrat (NO3-) und entspricht fast genau den 50 mg/l für das Gesamtnitrat. So kann man in Zusammenfassungen dieser Richtlinien für Nitrat meistens ebenfalls den Wert 50 mg/l finden. Einen Richtwert von 25 mg/l führen die Publikationen der WHO jedoch nicht auf!

Nun zum Nitrat-Wert <10 mg/l , der im Dokumentanhang als Maximalwert für Säuglinge angezeichnet wurde. Dieser Wert stammt aus der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) und bezieht sich nicht auf Trinkwasser, welches frisch und in der Regel am gleichen Tag beim Verbraucher aus der Leitung kommt, sondern auf in Flaschen abgefülltes Mineralwasser, welches Tage, Wochen oder Monate in der Flasche steht.

Wieso ist das ein Unterschied? In Mineralwasser können bei längerem Stehen Mikroorganismen der Gattung Pseudomonas aeruginosa wachsen. Diese wandeln das ungefährliche Nitrat in das gefährliche Nitrit um. Bei höheren Konzentrationen von Nitrit kann es bei Säuglingen zu einer tödlichen "Blausucht" - Cyanose, einer Blockade des Hämoglobins, kommen. Da Mineralwasser evtl. länger in der Flasche steht, stellt daher ein verschärfter Wert von 10 mg/l sicher, dass im Mineralwasser ein vergleichbares Schutzniveau existiert wie im Trinkwasser bei <50 mg/l. Die Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) sieht daher einen Nitratwert von <10 mg/l als Bedingung zum Führen der werbenden Bezeichnung „für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“ vor. Es ist jedoch Auffassung des Umweltbundesamtes (und der WHO), dass Trinkwasser mit Nitratgehalten unter 50 mg/l uneingeschränkt für die Zubereitung von Säuglingsnahrung eingesetzt werden kann, da bis dahin die körpereigenen Nitrit-abbauenden Enzyme alles unter Kontrolle haben, auch bei Säuglingen. Und es ist wichtig, bei der Diskussion der zulässigen Nitratwerte zwischen Trinkwasser und Mineralwasser, Leitungswasser und Flaschenwasser zu unterscheiden!

Darüber hinaus ist bekannt, dass der Verbraucher aus einem Trinkwasser am Grenzwert von 50 mg/l nur rund 5% des im Körper nachgewiesenen Nitrats aufnimmt; bei einem Trinkwasser mit weniger Nitrat dann entsprechend weniger, z.B. 1% bei 10 mg/l im Trinkwasser. Der Rest wird über andere Lebensmittel aufgenommen, besonders hohe Nitratwerte hat Salat u.a. Rohkost.

Wir halten fest: Der Aubrunnen schüttet seit Jahren ein gutes Wasser, dessen Nitratwerte weit unterhalb des zulässigen Grenzwerts von 50 mg/l bleiben. Sein Wasser kann sowohl von Erwachsenen als auch Säuglingen ohne Gefahr für die Gesundheit eingenommen werden. Es gibt Gemeinden, die sich glücklich schätzen würden, einen so sauberen Brunnen wie die Tübinger Au zu besitzen!

Auch hier hoffen wir zudem, bald die aktuellen Werte zu erhalten, da die Kurve für den Aubrunnen bisher nicht über 2008 hinaus geführt wurde.


 facebook_logos_PNG19750  https://www.facebook.com/biaubrunnen Dieser Beitrag erschien auf unserer facebook-Seite am 14.4.2017
Links:
Offener Brief der BI an OB Palmer
Antwort OB Palmer an BI
2. Offener Brief der BI an OB Palmer

aubrunnen-logo-mini1

Altlasten aus den 80ern

An anderer Stelle haben wir erklärt, was es mit den leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen LHKW auf sich hat, die im Gutachten der Firma KUP erwähnt werden. Dort wurde ebenfalls angemerkt, dass der Aubrunnen Ende der 80er Jahre schon einmal wegen dieser Stoffe vorübergehend geschlossen werden musste. Zeitgleich wurde damals eine erhöhte Nitratbelastung der Trinkwasserquellen des Neckartals gemessen.

Da diese alte Geschichte in der aktuellen Debatte verschiedentlich als Argument gegen den Aubrunnen und als Nachweis für seine vermeintlich ohnehin geringe Wasserqualität ins Feld geführt wurde, möchten wir sie hier soweit möglich recherchieren. Der unten stehende Link führt zum Verwaltungsbericht der Stadt Tübingen 1982-1990. Das PDF lädt sehr lange, daher hier die Abschrift des relevanten Abschnitts, S. 136, d.i. PDF-Seite 70:

"Seit einigen Jahren werden die wachsenden Umwelteinflüsse auf das Trinkwasser bundesweit in der Öffentlichkeit diskutiert. Auch in Tübingen sorgte die Grundwasserverunreinigung im Vorfeld der Pumpwerke Großholz und Au durch leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe für Schlagzeilen. Die Brunnen wurden im Spätsommer 1984 außer Betrieb gesetzt, nachdem Konzentrationen bis zu 38 Mikrogramm je Liter festgestellt worden waren. Die Messergebnisse liegen nach der umfangreichen Sanierung wieder unterhalb des nach der Trinkwasserverordnung zulässigen Grenzwertes von 25 Mikrogramm je Liter. Das Pumpwerk Großholz wurde jedoch wegen des Baus der neuen B 27 nicht mehr zur Trinkwasserversorgung herangezogen. Für die dadurch entstehenden Nachteile (Ausfall von 16 Sekundenlitern) ist den Stadtwerken Ersatz zugesichert. (...)
Zu den Umweltbelastungen gehört auch der Anstieg des Nitratgehalts im Grundwasser durch die lange überdosierte Düngung in der Landwirtschaft. Bei den Brunnen im Neckartal betrug die Konzentration 1989 im Mittel etwa 23 Mikrogramm je Liter, dies entspricht 46 Prozent des Grenzwertes."

Wir möchten herausstreichen, dass die CKW-Belastung des Aubrunnens bzw. Großholzpumpwerks bis 1990 wieder unter die zulässige Marke gesenkt wurde. Von einer nach wie vor schlechten Wasserqualiät des Aubrunnens als Altlast dieser Geschichte kann also heute nicht die Rede sein!

Auch die Belastung mit Nitrat war damals gegeben, erreichte jedoch nur 46% des zugelassenen Grenzwerts. Nitrat hat also bei der damaligen vorübergehenden Schließung des Aubrunnens nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Auch hier kann keine Altlast mehr angenommen werden.

Wir möchten außerdem herausstreichen, dass damals eine "umfangreiche Sanierung" des Aubrunnens durchgeführt wurde - mit Erfolg! Billig war das nicht, wurde als Investition in die Zukunft gesehen. Richtig so! Denn Wasser ist Leben und jeder Mühe wert.
https://www.tuebingen.de/Dateien/Verwaltungsbericht_1982_1990.pdf

 facebook_logos_PNG19750  https://www.facebook.com/biaubrunnen Dieser Beitrag erschien auf unserer facebook-Seite am 29.3.2017
Link:
https://www.tuebingen.de/Dateien/Verwaltungsbericht_1982_1990.pdf